Hovawarte vom Wasserschloss

Der Familienhund

„Wir suchen nur einen Familienhund, der braucht nicht viel zu können...“
Wer mit solchen, immer wieder geäußerten Vorstellungen an das Projekt ‚Familienhund’ herangeht, sollte das Ganze noch einmal überdenken. Unserer Ansicht nach, gibt es für den Hund kaum einen vielfältigeren, komplizierteren Beruf, als den des Familienhundes.
Hüte- und Herdenschutzhunde, Jadgdhunde jeglicher Couleur, Schutz- und Rettungshunde - sie alle sind ‚Spezialisten’, mit Sorgfalt ausgebildet für ihre Aufgabe, in der Regel von einem erfahrenen Hundetrainer und geführt von einer konstanten Bezugsperson.
Der Welpe oder auch der ältere Hund, der in seine neue Familie kommt, sieht sich einem Rudel gegenüber, das sich für ihn völlig unverständlich verhält. Dessen Rangordnung auf für ihn undurchsichtige Weise geklärt wird und von dem er, gerade auch in diesem Punkt, völlig widersprüchliche Signale bekommt.
In einer 5-köpfigen Familie muss er jede Vokabel (=Befehl) 5mal lernen, auch wenn wir uns noch so um einheitliche Ausdrucksweise bemühen. Stellen Sie sich einmal folgende Situation vor: Ein des Deutschen ganz und gar nicht mächtiger Chinese sitzt mit einem Ostfriesen, einem Bayern, einem Schwaben und einem Sachsen am Frühstückstisch und jeder von denen bittet ihn um den Brotkorb. Wie lange, glauben Sie, wird unser armer Chinese brauchen, um zu begreifen, dass alle Vier dasselbe von Ihm wollen? So, oder ähnlich, dürfte es unserem vierbeinigen Familienzuwachs von morgens bis abends gehen. Dem einen darf er die Hände ablecken, der nächste wird stinksauer, wenn er nur seine Zungenspitze ausfährt, der dritte lässt sich begeistert das Gesicht ablecken ... Paulchen lässt ihn doch nachts, wenn alle anderen schlafen, in sein kuscheliges Bett. Warum flippt Frauchen denn so aus, wenn sie ihn tagsüber dort entdeckt...Warum fressen sie manchmal alle gemeinsam und dann wieder muss er warten bis das Rudel fertig ist? Irgendwie scheint das mit Herrchens Anwesenheit zu tun zu haben, bemerkt der intelligente Hund früher oder später (scheinbar will der nicht, dass der Hund vom Tisch gefüttert wird) ... Und was machen die vielen Rudelfremden hier, die manchesmal in Horden einfallen, warum soll er sie tolerieren und nicht mal schauen dürfen, wo die eigentlich einzuordnen sind in der Rudelhierarchie ...
Er hat viel zu begreifen und zu differenzieren, der Familienhund. Und ist damit meistens allein gelassen, weil wir oft gar nicht bemerken, dass Dinge für ihn eine Herausforderung darstellen, die für uns selbstverständlich sind.
Dass es trotzdem so oft gut geht mit dem Hund in der Familie liegt selbstverständlich an der hervorragenden Erziehung, die wir dem Tier angedeihen lassen... und natürlich auch ein wenig an der unendlichen, über die Jahrtausende hinweg geschulten Anpassungsfähigkeit unserer Haushunde.

pfeil

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